Warum ist die KI für die Stromversorgung überhaupt ein Thema?
Das liegt in erster Linie daran, dass sich die Stromversorgung in der Schweiz stark wandelt: Immer mehr Energie entsteht dezentral in Solaranlagen, die je nach Tageszeit und Wetter schwankende Strommengen liefern. Zudem wächst die Zahl von Wärmepumpen und Elektroautos. Dadurch wird es für die Energieversorger anspruchsvoller, Stromproduktion und -verbrauch jederzeit aufeinander abzustimmen und das Stromnetz im Gleichgewicht zu halten. Um möglichst gute Prognosen zu Produktion und Verbrauch zu erstellen, nutzen sie heute grosse Datenmengen. Die KI kann sie dabei unterstützen, diese Daten auszuwerten und fundierte Vorhersagen abzuleiten. Zum Beispiel kann die KI anhand von Wetter- und Sensordaten abschätzen, wie viel Strom die Wind- und Solaranlagen im Versorgungsgebiet in den kommenden Stunden liefern.
Welche Aufgaben kann die KI sonst noch übernehmen?
In Zukunft sind viele Einsatzmöglichkeiten denkbar. Zwei Beispiele: Erstens kann die KI dabei helfen, Störungen bei Anlagen wie Transformatoren zu erkennen, bevor ein Schaden entsteht. Dazu analysiert sie Daten und warnt bei ungewöhnlichen Werten, sodass frühzeitig eine menschliche Kontrolle erfolgen kann und ein Ausfall vermieden wird. Zweitens lässt sich die KI zum Überwachen des Stromnetzes einsetzen: Sie entdeckt auffällige Veränderungen bei Produktion und Verbrauch nahezu in Echtzeit und weist die Fachleute auf mögliche Engpässe hin.
Was haben die Kundinnen und Kunden der Energieversorger vom KI-Einsatz?
Sie profitieren von einer hohen Versorgungssicherheit. Denn die Energieversorger erkennen mögliche Störungen oder Engpässe früher. Zudem kann sich der optimierte Betrieb des Stromnetzes positiv auf die Kosten auswirken – und damit mittelfristig auch auf die Netznutzungstarife.
Birgt der Einsatz der KI auch Risiken?
Ja. Unter anderem können KI-Systeme falsche Ergebnisse liefern, die zu Fehlern im Betrieb der Stromnetze führen. Wie gut die KI arbeitet, hängt stark von der Qualität der genutzten Daten ab. Deshalb ist es wichtig, dass die Energieversorger einen besonderen Fokus auf die Datenqualität legen. Zudem müssen sie die Ergebnisse der KI kontinuierlich überwachen. Gerade weil die Stromversorgung zur kritischen Infrastruktur gehört, wird KI hier sehr sorgfältig und schrittweise eingeführt. Oder anders gesagt: Längst nicht alles, was machbar ist, wird sofort umgesetzt.
Plant auch die SWG, für die Stromversorgung künftig auf die KI zu setzen?
Die SWG verfolgt genau, wie sich KI in der Stromversorgung entwickelt, setzt sie zurzeit aber bewusst noch nicht ein. Denn zuerst muss sich in der Praxis zeigen, wo KI-Systeme wirklich Vorteile bringen und sich auch finanziell lohnen. Die SWG prüft also sorgfältig, wie sie KI künftig in der Versorgung nutzen wird.