Tipps: So nutzen Sie KI energiesparend
Künstliche Intelligenz ist für verschiedenste Aufgaben richtig praktisch. Doch KI-Systeme benötigen viel Rechenleistung – und damit auch viel Energie. Experte Marcel Gygli ordnet ein und gibt Tipps für eine energiesparendere KI-Nutzung
ChatGPT, Gemini und andere KI-Chatbots beantworten Fragen, erstellen Texte oder generieren Bilder quasi auf Knopfdruck. Hinter den blitzschnellen Antworten steckt eine ressourcenintensive technische Infrastruktur.
Diese verbraucht natürlich viel Strom. «Der grösste Anteil des Energieverbrauchs fällt beim Training der KI-Modelle an», erklärt Marcel Gygli, KI-Experte und Professor an der Berner Fachhochschule BFH. «Dabei werden riesige Datenmengen verarbeitet.»
Heisst das nun, dass der Energieverbrauch für einzelne Nutzerinnen und Nutzer keine Rolle spielt? Nicht ganz, meint Marcel Gygli. Entscheidend sei, wofür man die KI nutze: «Reine Textanfragen verbrauchen tatsächlich relativ wenig Strom. Anders sieht es aus, wenn man Bilder, Musik oder Videos generieren lässt. Solche Anwendungen sind echte Energiefresser.»
Warum braucht KI so viel Strom?
Generative KIs sind vereinfacht gesagt ausgeklügelte Wahrscheinlichkeitsrechner. Wenn Sie einem Chatbot eine Frage stellen, beginnt im Hintergrund eine intensive Rechenarbeit: Das System gleicht Ihre Anfrage mit riesigen Datenmengen ab und berechnet Wort für Wort, wie eine passende Antwort aussehen könnte. Diese Berechnungen laufen auf leistungsstarken Prozessoren in grossen Rechenzentren. Weil dort gleichzeitig Millionen solcher Anfragen verarbeitet werden, verbrauchen die Rechenzentren viel Strom.
Googeln oder KI fragen?
Häufig ist von einer Faustregel die Rede, wonach eine KI-Anfrage etwa zehnmal mehr Strom verbraucht als eine klassische Suchmaschinenanfrage – etwa bei Google. Doch ganz so einfach lasse sich das nicht beziffern, sagt Marcel Gygli: «Der Energieverbrauch hängt von mehreren Faktoren ab, etwa von der Datenübertragung über das Internet, der Verarbeitung im Rechenzentrum oder der Art des Trainings der Modelle. Ausserdem integrieren immer mehr Suchmaschinen KI-Funktionen, Google zum Beispiel den ‹AI Overview›. Das macht auch klassische Suchanfragen energieintensiver.»
Tipps für eine energiesparendere KI-Nutzung
1. Nicht jede Suche braucht KI. Für einfache Informationssuchen reicht oft eine klassische Suchmaschinenanfrage – am besten bei einer Suchmaschine wie Ecosia, die stärker auf Nachhaltigkeit achtet. KI-Anfragen brauchen im Durchschnitt deutlich mehr Energie.
2. Bedenken Sie den hohen Energieverbrauch bei KI-generierten Bildern, Videos und Musikstücken. Solche Anwendungen benötigen besonders viel Rechenleistung. Überlegen Sie sich deshalb, ob ein KI-generiertes Bild oder ein Video wirklich nötig ist – oder ob es sich eher um eine Spielerei handelt.
3. Formulieren Sie Ihre Fragen und Aufträge möglichst präzise. Je klarer Sie diese sogenannten Prompts verfassen, desto schneller kann die KI eine passende Antwort liefern. Präzise Fragen vermeiden unnötige mehrfache Nachbesserungen – und damit zusätzlichen Rechenaufwand.
4. Vermeiden Sie unnötige Wiederholungen im Chat. KI-Systeme merken sich den bisherigen Gesprächsverlauf. Wenn Sie Informationen immer wieder neu eingeben, muss das System diese erneut verarbeiten. Das kostet zusätzliche Energie.
5. Bündeln Sie mehrere Fragen in einer Anfrage. Wenn Sie mehrere Dinge zu einem Thema wissen möchten, packen Sie diese Fragen möglichst in eine einzige Anfrage. So vermeiden Sie mehrere Prompts, bei denen die KI den gesamten Kontext jedes Mal erneut verarbeiten muss.
6. Verlangen Sie kurze Antworten. Sprachmodelle neigen dazu, sehr ausführlich zu schreiben. Wenn Sie am Ende eines Prompts die Anweisung «Antworte kurz» ergänzen oder sogar eine maximale Länge (Fünf Sätze, 300 Zeichen etc.) vorgeben, benötigt die KI weniger Rechenleistung.
7. Nutzen Sie wenn möglich kleinere oder ältere Modelle. Sie brauchen nicht für jede Aufgabe das neuste und grösste – also leistungsstärkste – KI-Modell. Kleinere Modelle lösen viele Aufgaben genauso gut und benötigen oft deutlich weniger Rechenleistung. Bei ChatGPT zum Beispiel können Sie das Modell zuoberst auf der Website auswählen.
Bonus-Tipp für Profis: Lassen Sie die KI wenn möglich lokal auf Ihrem Gerät laufen. Einige KI-Programme lassen sich direkt auf dem eigenen Computer installieren. Dadurch vermeiden Sie zusätzliche Anfragen an grosse Rechenzentren und reduzieren den Energieverbrauch.