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Nachgefragt: Wird der Strom 2027 günstiger?

Elena Rastoder, Leiterin Vertrieb + Kundenservice, beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Grenchner Strompreisen im kommenden Jahr. Und sie erklärt, warum die SWG 2027 bewusst noch keine dynamischen Tarife einführt.

Wie entwickeln sich die Strompreise im kommenden Jahr?

Elena Rastoder: Die Strompreise in Grenchen sinken per 1. Januar 2027 um durchschnittlich 2,1 Prozent. Damit wird der Strom das dritte Jahr in Folge günstiger. Zum Beispiel bezahlt ein Haushalt mit vier Zimmern und einem jährlichen Verbrauch von 2500 Kilowattstunden nächstes Jahr 10 Franken weniger. Bei einem Haushalt mit fünf Zimmern und einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden sind es 18 Franken weniger.

Warum sinken die Strompreise erneut?

Der Hauptgrund ist, dass wir den Strom für 2027 günstiger einkaufen konnten. Der Energietarif, also der Preis für den Strom selbst, sinkt dadurch um durchschnittlich 6,3 Prozent. Der Netznutzungstarif steigt zwar, weil die Kosten für den Betrieb und den Ausbau des lokalen Stromnetzes zunehmen. Doch diese Erhöhung fällt mit 1,4 Prozent geringer aus als die Reduktion des Energietarifs.

Wie stark kann die SWG ihre Strompreise überhaupt beeinflussen?

In der Schweiz sind die Strompreise stark reguliert: Der Bund macht uns Energieversorgern genaue Vorgaben, wie wir die Preise für die Haushalte und das Kleingewerbe kalkulieren müssen. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) überprüft als Aufsichtsbehörde, ob wir diese Vorgaben einhalten. Den grössten Spielraum haben wir bei den Energietarifen. Diese hängen davon ab, wie wir den Strom beschaffen. Die Preise am Strommarkt schwanken zeitweise stark. Deshalb kaufen wir die benötigte Energie für ein Jahr nicht auf einmal ein, sondern verteilt über drei Jahre in mehreren Tranchen. So federn wir Preisausschläge ab und sind weniger von einer einzelnen, möglicherweise ungünstigen Marktsituation abhängig. Die Netznutzungstarife wiederum basieren auf den Kosten, die beim Stromnetz entstehen. Sie sind also davon abhängig, wie effizient wir das Stromnetz betreiben und welche Investitionen nötig sind.

Einige Stromversorger führen 2027 preisliche Anreize ein: Kundinnen und Kunden, die das Stromnetz entlasten, profitieren finanziell. Plant die SWG auch solche Massnahmen?

Mit unserem Niedertarif bei der Netznutzung zwischen 21 Uhr abends und 7 Uhr morgens haben wir schon einen bewährten und wirksamen Anreiz. Viele Kundinnen und Kunden profitieren davon und lassen Elektrogeräte wie Geschirrspüler oder Tumbler in dieser Zeit laufen. Da immer mehr Solaranlagen Strom ins Netz einspeisen, kommen nun dynamische Netznutzungstarife als zusätzlicher Anreiz in Frage. Auch wir prüfen diese Möglichkeit, planen für 2027 aber bewusst noch keine Einführung.

Was sind dynamische Tarife? Und warum führt die SWG sie noch nicht ein?

Bisher ändern sich die Netznutzungstarife nur einmal jährlich. Dynamische Tarife hingegen passen sich der aktuellen Stromproduktion an: Zu Zeiten, wenn viel Strom ins Netz eingespeist wird, sind sie tiefer – und umgekehrt. Im besten Fall passen die Kundinnen und Kunden ihren Stromverbrauch dann so an, dass das Stromnetz entlastet wird und weniger stark ausgebaut werden muss. Es gibt verschiedene Modelle, solche Tarife umzusetzen. Erste Erfahrungen anderer Energieunternehmen zeigen aber, dass dies noch mit einigen Stolpersteinen verbunden ist und sehr sorgfältig vorbereitet sein muss. Deshalb führen wir dynamische Tarife erst ein, wenn wir komplett davon überzeugt sind.